Der 11. Berliner Fotomarathon

Am Samstag habe ich am 11. Berliner Fotomarathon teilgenommen. Das Team vom Fotomarathon hatte darum gebeten, um spätestens halb elf am Startpunkt zu sein, damit der Marathon pünktlich um elf starten kann. Da der Weg für mich zum Start am Universal Osthafen mit der BVG recht lang war, bin ich bereits früh losgefahren und war dann doch schon kurz nach halb zehn an der Startnummernausgabe. Nachdem ich die Startnummer an meinem Rucksack befestigt hatte, kaufte ich mir noch ein Fotomarathon-T-Shirt und setzte mich wie viele andere auch draußen ans Wasser.
Um kurz vor elf wurden wir alle wieder reingeholt und haben das Rahmenthema des Wettbewerbs erfahren: „Musik liegt in der Luft“.
Nach dem obligatorischen Gruppenfoto hat jeder einen Zettel mit den ersten acht Themen und dem nächsten Treffpunkt bekommen und los gings.

Hier nochmal die wichtigsten Regeln, die wir beim Fotografieren beachten mussten:

  • 24 Bilder zu den gegebenen Themen
  • die Bilder in der Reihenfolge der Themen aufnehmen
  • alle Themen sollen eine Bildreihe zum Thema „Musik liegt in der Luft“ ergeben
  • auf dem ersten Bild muss die Startnummer zu sehen sein
  • alle vier Stunden an einem Treffpunkt die nächsten acht Themen abholen
  • und natürlich keine Nachbearbeitung der Bilder
  • um 23 Uhr eine Speicherkarte mit nur den 24 Bildern abgeben

Vor kurzem habe ich eine Gitarre geschenkt bekommen und so kam mir die Idee, mit dieser alle Bilder zu einer Reihe zu verbinden. Das Problem an dieser Idee war allerdings, dass ich diese natürlich nicht gerade in meinem Kamerarucksack hatte ;) Also habe ich die ersten 45 Minuten des Marathons erstmal in der BVG verbracht um nach Hause zu fahren.

Zum ersten Thema „Ich und Ich“ habe ich mich einfach selber im Spiegel mit Gitarre, Kamera und Startnummer fotografiert.
Für das zweite Thema „Die Großstadtpflanze“ wollte ich eine Aufnahme auf der Autobahnbrücke am S-Bahnhof Hohenzollerndamm machen. Auf dem Weg zur Brücke rief mich Markus an, dass er jetzt auch Zeit habe und so trafen wir uns am S-Bahnhof um die restlichen 23 Bilder zusammen zu machen.

Thema drei war „Wochenend und Sonnenschein“ und da gerade wirklich die Sonne schien, gingen wir in eine Gartenkolonie und machten das folgende Bild.

Durch den großen Zeitverlust beim Gitarreholen und der anfänglich fehlenden Kreativität war es jetzt schon so spät, dass wir zum Potsdamer Platz zum ersten Treffpunkt fahren mussten. Etwas demotiviert, da wir in vier Stunden nur drei Bilder geschafft hatten, fanden wir auch erstmal den Treffpunkt nicht. Gemeinsam mit anderen umherirrenden Teilnehmern haben wir den Meistersaal in der Köthener Straße dann aber doch noch gefunden. Dort erhielten wir die nächsten acht Themen und erfuhren, dass wir in vier Stunden wieder hier sein sollten.
Nach einer kleinen Pause machten wir dann weiter um unseren Rückstand ein wenig aufzuarbeiten.
Als viertes Thema stand „Überall wird instandgesetzt“ auf der Liste. Die erste Idee war da natürlich eine der vielen Baustellen in Berlin abzulichten, aber wo bleibt da der Zusammenhang zur Musik? Stattdessen haben wir die Gitarre gestimmt, so wie man jedes Instrument instandsetzen muss.

„Keine Schönheit ohne Gefahr“ war das nächste Thema. Wir entschieden uns für die roten Lippen mit der Gitarre als Symbol für die Schönheit und den vermummten Markus als Gefahr.

Das nächste Thema stellte uns vor ein ernstes Problem: „Der Fernsehturm hat Ohren“. Zum Fernsehturm fahren kam aber leider gar nicht in Frage. Das wären 20 Minuten Hin- und 20 Minuten Rückweg gewesen und hätte uns eindeutig zuviel Zeit für ein einziges Bild gekostet. Glücklicherweise kann man vom Potsdamer Platz die Kugel des Fernsehturms sehen und so versuchten wir, aus der Gitarre etwas zu formen, was man mit viel Fantasie als Ohren an der Seite der Kugel interpretieren könnte. Naja mit viel Fantasie…

Das Thema „Süßes Leben – Saures Leben“ viel uns wieder deutlich leichter. Ob es nun der Motzverkäufer neben dem Manager in der U-Bahn ist oder der Straßenmusikant vorm Süßigkeitenladen…solche Kontraste sind in einer Großstadt allgegenwärtig.

Für das Thema „Wir trafen uns in einem Garten“ holten wir uns auf den Wiesen vor den Potsdamer Arkaden Unterstützung. Vielen Dank an die hilfsbereite Statistin.

Bei der Aufgabe „Ich will Spaß“ kam uns gleich die Berliner Spielbank in den Sinn, sodass wir zu diesem Bild kamen.

„Chaos“. Hier hatten wir wieder deutlich mehr Probleme bei der Ideenfindung. Musik, die Gitarre, Chaos…wie sollten wir das verbinden? Letztlich entschieden wir uns dazu die Haare meiner Freundin, die wir am Potsdamer Platz trafen, um den Gitarrenkopf zu wickeln, was dann auch wirklich etwas chaotisch war.

Das Bild zum Thema „Unsichtbar“ ist eines meiner Lieblingsbilder unserer Bilderreihe. Die Gitarre spiegelt sich in der Oberfläche des Piano-Sees am Potsdamer Platz.

Auch unser Bild zum Thema „Monotonie“ ist am Potsdamer Platz entstanden. Die großflächigen Treppen wirken ohne die Umgebung wirklich ziemlich eintönig.

Gegenüber der Jugendherberge an der Station Gedenkstätte deutscher Widerstand fanden wir unser Motiv zum Thema „Tapetenwechsel“.

Ein „Unbekanntes Wesen“ mit einer Gitarre? Nein. Stattdessen wurde die Gitarre einfach zu einem Ufo.

Anschließend war es wieder Zeit sich im Meistersaal einzufinden, um die letzten acht Themen zu erfahren. Dadurch motiviert, dass wir nur noch zwei Themen im Rückstand waren, machten wir danach gleich weiter, wobei wir thematisch erstmal ein größeres Problem lösen mussten.
Als wir dachten, dass die Aufgabenstellung mit dem Fernsehturm schwierig wäre, da kannten wir wohl das Thema „Punkhochzeit“ noch nicht…zufrieden sind wir mit dem Bild zum Thema nicht, aber wenigstens konnten wir die anderen Teilnehmer unterhalten ;)

Für die Aufnahme zum Thema „Immer da wo du bist bin ich nie“ haben wir uns ein Stück der Berliner Mauer zur Hilfe genommen.

Als siebzehntes Thema stand „Die Ballade vom angenehmen Leben“ auf der Liste. Dafür machten wir uns auf den Weg ins Sony Center und Markus stimmte in der Abendsonne am Springbrunnen seine Ballade an. Oder zumindest tat er so.

Um eine „Illusion“ zu erzeugen, haben wir die Gitarre einfach auf Handgröße geschrumpft…nichts leichter als das. 8-)

Den Liedtitel „Ding“ haben wir dann mal wörtlich genommen und ein einfaches Ding ohne Sinn fotografiert. Wir haben verschiedene Möglichkeiten ausprobiert und uns dann dazu entschieden, die Gitarre zwischen zwei Glaswände zu stellen. Eine Aufnahme ohne Aussage…ein Ding.

Um dem Thema „Schwarz zu blau“ gerecht zu werden, haben wir noch ‚ein wenig‘ am Weißabgleich gedreht um wirklich ein Blau neben der schwarzen Silhouette zu erreichen.

Beim Thema „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ haben wir nicht den Titel, sondern den weiteren Liedtext genommen: ‚Ich bau dir ein Schloss aus Sand‘.

Nicht nur der Fotomarathon neigte sich langsam seinem Ende zu sondern auch thematisch wurde es etwas später. Für das Thema „Ein Sommernachtstraum“ zeigte Markus der Gitarre den Großen Wagen am Sternenhimmel.

Für den Look des vorletzten Bildes haben wir den Weißabgleich verstellt, um das Bild ein wenig rot/lila zu verfärben. Das Leuchten um Markus herum und an den Wänden stammt von einem Blitz, der direkt vor Markus stand.

Das letzte Thema des Marathons lautete „25 Stunden am Tag“. Mit dem Bild wollten wir die auch nachts stets aktive Stadt zeigen.

Am Ende gaben wir unsere 24 Bilder im Edelweiß im Görlitzer Park ab, bekamen eine Urkunde und waren völlig erschöpft. Auch wenn wir keinen echten Marathon gelaufen waren, unsere Füße und Beine haben nicht weniger wehgetan. Wir waren insgesamt fast 15 Stunden unterwegs, 12 Stunden davon Marathon, und hatten in dieser Zeit kaum etwas gegessen und getrunken, um alle Bilder in der Zeit zu schaffen.
Auch wenn 24 Bilder am Anfang nicht viel klingen, es verlangt einem wirklich eine Menge ab.
Am Ziel waren wir dann einfach froh, dass wir es trotz des holprigen Starts geschafft hatten.

Ich kann den Fotomarathon wirklich nur jedem begeisterten Fotografen empfehlen. Es ist anstrengend, aber es macht auch eine menge Spaß! :) Vielen Dank an das Fotomarathonteam, das diese tolle Veranstaltung ermöglicht hat.

Am 23. und 24. Juli werden übrigens alle Fotoreihen des Marathons in einer Ausstellung gezeigt. Die Details dazu erfahrt ihr auf der Seite des Berliner Fotomarathons.

Jetzt bin ich mal gespannt! Wie findet ihr die Bilder? Welche Umsetzungen findet ihr gelungen, welche ehr weniger? Findet ihr das Gesamtthema „Musik liegt in der Luft“ in der Reihe wieder? Eure Meinungen interessieren mich!

Über Max Rosin

Fotograf, Informatikstudent und Blogger. Mehr zu mir, gibt es hier
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5 Kommentare zu Der 11. Berliner Fotomarathon

  1. Patricia sagt:

    kathalein hat mir davon erzählt, aber das die bilder so gut sind, hätte ich nicht gedacht. ist echt cool geworden :)
    weiß burgi was mit seiner gitarre veranstaltet worden ist? ;D

    LG Patti

  2. Timm sagt:

    Ich kann mich den Vorrednern sowie deinen eigenen Kommentaren nur anschließen! Es gibt einzelne Bilder die nicht top sind, der Großteil aber ist grandios. Es sind zu viele gute um sie aufzuzählen, ich bin wirklich beeindruckt!
    Ein gutes Bild machen ist das eine, das kannst Du wie wir wissen. Mehrere gute Bilder mit klarer thematischer Vorgabe und noch dazu unter Zeitdruck zu machen, halte ich für das noch größere Kunstwerk!
    Guuuuut!
    Timm

  3. Thomas sagt:

    Ja, Musik drängt sich auf, man merkt, dass ihr gewissermaßen unter Druck gewesen seid. Aber so manches ist euch (finde ich) sehr gut gelungen. „unsichtbar“, „immer da…“, Illusion“, Monotonie“, „Schwarz/Weiß“.
    Ich bin beeindruckt, allei schon , dass ihr diese ganzen Stunden auf Achse ward…
    Freue mich sehr über diese freundliche, komplett positive Seite mit so viel Ausstrahlung.
    Gruß
    Thomas

  4. Lars sagt:

    Einige tolle Ideen: Chaos, Immer da wo… und Illusion, z. B.
    Seltsamerweise finde ich die Gitarre weniger aufdringlich als so manche kleine Noten in anderen Serien.
    Fein!
    Grüße,
    Lars

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